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04.11.2009

Ingenieur gegen Rennfahrer



Ingenieur gegen Rennfahrer: Team Rosberg löst Wette in Hockenheim ein
Eine Wette und ihre Konsequenzen: Neun Tage nach dem DTM-Titelgewinn von Audi in Hockenheim erlebte das Audi Sport Team Rosberg an gleicher Stelle einen ungewöhnlichen Auftritt. Zwar ist die Motorsport-Saison 2009 zu Ende, doch bei einer teaminternen Wette ging es um eine echte Frage der Ehre.
 
DTM-Renningenieur Andreas Roos hatte sich zu einer gewagten These verstiegen. Als die beiden Audi Werksfahrer im Team, Mike Rockenfeller und Markus Winkelhock, bei einer Nachbesprechung zu einem DTM-Rennen über komplexe Probleme im Grenzbereich der Fahrphysik klagten, ließ er – ebenso wie sein Techniker-Kollege Karl Jennings – die Einwände nicht gelten. Und setzte sogar noch nach: Er selbst würde nach kurzer Eingewöhnungszeit bis auf drei Sekunden an die Rundenzeit der Profis herankommen. In weiser Erkennung des wahren Potenzials eines Audi Werksfahrers korrigierte Roos diesen Abstand alsbald jedoch auf fünf Sekunden.
 
Eine Wette, die nach Umsetzung verlangte. Arno Zensen, Teamchef des Audi Sport Team Rosberg, war ebenfalls sofort begeistert. Er wählte den nur 50 Kilometer vom Teamsitz in Neustadt an der Weinstraße entfernten Kurs von Hockenheim als Austragungsort.
 
Auf zunächst noch feuchter Strecke umrundete Markus Winkelhock die Strecke vormittags in 1.58,0 Minuten. Die leicht abtrocknende Oberfläche nutzte Mike Rockenfeller später für eine Rundenzeit von 1.52,3 Minuten. Anschließend setzte Teammanager Kimmo Liimatainen, der einst in der Formel 3 bereits seinen Teamkollegen Gary Paffett geschlagen hatte, eine neue Bestzeit von 1.51,7 Minuten – auf nochmals trockenerer Ideallinie. Andreas Roos fehlten am Ende etwa fünf Sekunden auf die Zeit von Mike Rockenfeller, dessen Audi er in der DTM betreut. Am Nachmittag ging das Kräftemessen weiter. Rockenfeller fuhr mit 1.49,4 Minuten die Bestzeit. Dabei verließ er jedoch die Strecke in Kurve 1, wie eine teaminterne Untersuchung auf Basis einer Videoanalyse ergab. Es folgte Kimmo Liimatainen mit 1.50,3 Minuten und Teamchef Arno Zensen mit 1.55,1 Minuten. Die Stunde der Wahrheit schlug, als Andreas Roos zum zweiten Mal antrat. Mit 1.55,0 Minuten fehlten dem im Cockpit ungeübten Ingenieur lediglich 5,6 Sekunden auf den Bestwert – beachtlich, aber nicht gut genug.
 
Roos zeigte sich ob der Niederlage reumütig. "Ich sehe jetzt ein, dass ich in meiner Laufbahn wohl keine ernsthaften Chancen mehr auf ein Werkscockpit habe", räumte er augenzwinkernd ein und versprach, sich künftig ganz auf seine Rolle als Ingenieur konzentrieren zu wollen. Zunächst aber muss der Techniker seinen Wetteinsatz ableisten und das gesamte Team zum Essen einladen.
 
"Wir hatten einen Heidenspaß, es war ein toller Tag und unsere Ingenieure haben jetzt wieder fürchterlichen Respekt vor den Leistungen der Rennfahrer", urteilte Teamchef Arno Zensen abschließend.
 
Der rund 500 PS starke Audi R8 LMS, mit dem das Team in diesem Jahr im ADAC GT Masters und der FIA-GT3-Europameisterschaft angetreten war, ermöglichte an diesem 3. November nicht nur den Profis angemessene Fortbewegung. Viele Sponsoren und weitere Gäste des Audi Sport Team Rosberg sowie die Mitarbeiter der Mannschaft durften auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. So erlebten nicht weniger als 50 Menschen einen unvergesslichen Tag auf dem Hockenheimring.